Elektronische Patientenakte: Deutschland fällt im europäischen Vergleich weiter zurück

Im Vergleich zum europäischen Ausland ist der Ausbau der elektronischen Patientenakte in Deutschland seit 2016 zurückgefallen, am Breitbandausbau liegt es nicht, aber an verlässlichen Vorgaben der Politik findet eine neue Studie.

Bei der Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) ist Deutschland im Vergleich zu einer Kohorte von insgesamt 20 europäischen Ländern dieses Jahr auf Rang 13 zurückgefallen. Dies ist im Vergleich zu der letzten Beurteilung, die im Jahr 2016 erstmalig stattfand, ein Verlust von zwei Plätzen.

So das Ergebnis der gerade veröffentlichten Studie „European Scorecard zum Stand der Implementierung der elektronischen Patientenakte auf nationaler Ebene – Erstes Update 2018“, die vom Institut für angewandte Versorgungsforschung (inav) im Auftrag der Stiftung Münch erstellt wurde. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, „Deutschland wurde von anderen Ländern überholt: Länder, bei denen es klare Vorgaben für die Gestaltung der ePA, den Zugang der Bürger zur ePA und die Art der Datennutzung gibt. Und Länder, in denen die ePA immer häufiger von Krankenhäusern, Notaufnahmen und niedergelassenen Ärzten verwendet wird.“

Verlässliche konzeptionelle Vorgaben der Politik erforderlich

Die relative Verschlechterung im Ranking ist darauf zurückzuführen, dass sich außer einer Verbesserung im Breitbandinternetangebot nicht viel im Land verändert hat. Laut Bericht hat Deutschland zwar sehr gute infrastrukturelle Voraussetzungen, schneidet aber im internationalen Vergleich relativ schlecht in den Bereichen „Nutzung und Implementierung“ und „Inhalte und Funktionen“ ab.

Das weist darauf hin, „dass ePA in Deutschland nicht – wie seitens Politik und Selbstverwaltung erhofft – weit verbreitet und implementiert sind und somit genutzt werden“, konkludiert Stephan Holzinger, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Münch. „Es mangelte hierzulande bis dato an klaren, verlässlichen konzeptionellen Vorgaben der Politik“, fasst er die Gründe für das Zurückfallen Deutschlands im europäischen Vergleich zusammen. „Ich hoffe, dass wir von der kleinteiligen, zuweilen auch etwas aktionistisch anmutenden Politik nun zumindest auf diesem Gebiet zu einem mutigen, verbindlichen und damit auch planbaren Wurf der Bundesregierung kommen“, äußert sich Holzinger.

Skandinavien hat die Nase vorn

Dänemark befindet sich unverändert auf dem ersten Platz, Finnland belegt gemeinsam mit Schweden den 2. Platz, gefolgt von Estland und Spanien, die auch Kopf an Kopf liegen, der Schweiz, der Slowakei und Großbritannien. Die Studie zeigt deutlich, dass klare Vorgaben des Gesetzgebers hinsichtlich der ePA die Basis für deren erfolgreiche Einführung bilden.

Große Fortschritte hinsichtlich der Implementierung der ePA haben Großbritannien und Frankreich erzielt. Beide konnten sich in den letzten zwei Jahren jeweils um sechs Plätze verbessern.

Beurteilungskatalog

Um eine Vergleichbarkeit bezüglich der Einführung der ePA in den 20 Ländern über die Zeit hinweg zu etablieren, wurde 2016 erstmalig das Konzept einer sogenannten „Scorecard“ entwickelt, um den Stand der Implementierung zu bestimmen. Der Katalog der damals verwendeten Indikatoren wurde in der Zwischenzeit für die diesjährige Studie erweitert, sodass nun 29 Indikatoren, die jeweils einer der fünf Teilgruppen zugeordnet sind, gemessen werden. Dabei handelt es sich um folgende Untergruppen:

  • Infrastrukturelle Voraussetzungen
  • Nutzungseigenschaften und Gesundheitskompetenz
  • Politische und rechtliche Rahmenbedingungen
  • Nutzung und Implementierung der ePA
  • Inhalte und Funktionen der ePA.

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cwm

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