Der Mensch hinter dem System

By
Aladin
Antic

Heute scheint es, als ob die IT schon immer Teil unseres Daseins war. Oder können Sie sich noch eine Welt ohne Internet oder Handys vorstellen? Nun, das ist noch keine 25 Jahre her – und doch braucht es für einige selbstverständliche Dinge heute zwingend die IT. Ein Beispiel: Seinen Salär erhält nur der, der Girokonto und elektronische Überweisung vorweist. Steuererklärungen werden elektronisch eingereicht – und als niedergelassener Arzt erhalten Sie Ihr Geld von der KV nur, wenn Sie Ihre Daten und Abrechnungen elektronisch übermitteln.

Da mutet es ein wenig archaisch an, wenn im neuen E-Health-Gesetz dem Patienten das Recht auf seine Informationen in Papierform zugestanden wird ... Vielleicht kommt dies daher, dass Entscheidungsträger immer auch ein bisschen sentimental sein dürfen oder aber in ihrer Welt die Verwendung von Lexika, Duden und Almanachen durchaus legitim ist, während diese Dinge von meinen Kindern erst einmal gegoogelt werden müssten! Und doch halten Vernetzung und IT nahezu unbemerkt in Bereichen der Medizin Einzug, von denen wir es nicht direkt vermuten. Sicherlich haben auch Sie die Auswirkungen der aktuellen Grippewelle bemerkt – hoffentlich nicht am eigenen Leib (die Wahrscheinlichkeit ist hoch). Während das Husten und Schniefen auch in den IT-Abteilungen zu einer starken Belastung der Leistungsfähigkeit führt (Redundanz ist heute eine Selbstverständlichkeit bei Servern und IT-Systemen, aber leider die Ausnahme bei menschlichen Ressourcen), stellt dies für die Gesundheitsbranche ein zusätzliches Potenzial dar: Haben Sie auch die Statistiken und Verbreitungskarten der epidemiologischen Ereignisse bewundert? Insbesondere, wenn Sie bedenken, dass ja nur in den seltensten Fällen echte diagnostische Nachweise für eine Virusinfektion geführt werden – neben dem Zeitfaktor ist dies auch eine Frage des Versichertenstatus und der Kosten …

Mussten früher also komplizierte Hochrechnungen aus wenigen verfügbaren Daten und aufwendigen persönlichen Recherchen erstellt werden (mit einer Genauigkeit, die mit Wettervorhersagen von Schamanen mithalten konnte), wird heutzutage die sogenannte indirekte Statistik zum Königsweg. Einfach die Häufigkeit von Anfragen zum Thema Grippe, wirksame Medikamente, Empfehlungen eines Arztes oder Suche nach Symptomen in Google nach Region ausgewertet, und schon ist eine recht zutreffende Karte der entsprechenden Virusverbreitung fertig. Kombiniert mit Facebook, der Analyse von Reise- und anderen Verhaltensweisen sowie einem kurzen zeitlichen Verlauf: Voilà, eine passable Vorhersage für den weiteren Verlauf der Infektionswelle. Big Data ist bereits angekommen im Gesundheitswesen. Schade nur, dass es das Gesundheitswesen noch nicht gemerkt hat …

Aladin Antic

CIO, KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantationen e. V.

Aladin Antic war in seinem ersten Leben Veranstalter von Heavy Metal-Konzerten, Redakteur einer Musikzeitschrift, DJ; in einem zweiten Leben Biochemiker, dann kam das Gesundheitswesen und machte ihn zum Healthcare-IT-Experten.

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