UPS testet zusammen mit Zipline, einem Robotik-Unternehmen aus Kalifornien, und Gavi, der Vaccine Alliance, wie der Einsatz von Drohnen die Auslieferung lebensrettender Substanzen wie beispielsweise Blut und Impfstoffen verändern kann.

Der logistische Finger auf der Wunde

UPS skizziert die Herausforderungen in der Healthcare-Logistik

In Europa fließen heutzutage im Durchschnitt 8,5 % des Bruttosozialprodukts in das Gesundheitswesen. Experten erwarten, dass dieser Prozentsatz in Zukunft auf 10 % steigen wird. Für Logistikdienstleister ist die Healthcare-Logistik daher ein boomendes Geschäft. Zumindest, wenn sie passende Lösungen für die rasanten Entwicklungen auf dem Markt finden. UPS ist ein Unternehmen, das diese Herausforderung annimmt. Jan Denecker, Direktor Healthcare-Strategie und Marketing in Europa, erläutert, welche Entwicklungen den Markt verändern und wie diese auf logistischer Ebene in Angriff genommen werden können.

Einer der wichtigsten Trends ist das kontinuierliche Streben nach einem effizienteren Gesundheitswesen. Dies gilt nicht nur für die etablierten Wirtschaftsregionen wie Europa und die USA, sondern auch für Schwellenländer, wo die Nachfrage nach einem qualitativ hochwertigen Gesundheitswesen stark zunimmt. Sogar die Entwicklungsländer zeigen ein zunehmendes Interesse für mehr Effizienz im Bereich des Gesundheitswesens.

Jan Denecker: „Wir testen zusammen mit Zipline, einem Robotik-Unternehmen aus Kalifornien, und Gavi, der Vaccine Alliance, wie der Einsatz von Drohnen die Auslieferung von lebensrettenden Substanzen wie beispielsweise Blut und Impfstoffen ändern kann. Dies tun wir derzeit in Ruanda. Unser Ziel für dieses Jahr ist es, täglich ca. 150 Lieferungen von Blutkonserven an 21 Transfusionseinrichtungen in westliche Gegenden des Landes zu realisieren, die über den Landweg nur schwer erreichbar sind. Die betreffenden Drohnen können etwa 125 Kilometer zurücklegen. Dieser Fall unterstreicht übrigens die Bedeutung von Partnerschaften, um die großen logistischen Anforderungen im Gesundheitswesen zu meistern.“

Steigender Kostendruck

In diesem Zusammenhang wird es immer wichtiger, die Kosten unter Kontrolle zu halten. Der richtige Umgang mit dem Kostendruck ist für die Führungskräfte der Branche die größte Herausforderung, das zeigt der aktuellste Bericht „Pain in the Chain“, in dem UPS ca. 400Topmanager aus dem Gesundheitswesen in Europa nach ihren größten Sorgen in der Lieferkette befragt. „Die starke Überalterung der Bevölkerung hat sicherlich auch damit zu tun. Heute sind 18 % der europäischen Bevölkerung über 65 Jahre alt, bis zum Jahr 2060 werden es 28 % sein. Dem gegenüber stehen weniger Werktätige, die die älteren Menschen unterstützen, das wird den Druck auf die Kosten noch erhöhen“, sagt Jan Denecker. „Darüber hinaus sehen wir eine starke Zunahme von Zivilisationskrankheiten, was hauptsächlich mit unserem sitzenden Lebensstil zusammenhängt. So leiden heutzutage schon 387 Millionen Menschen an Diabetes, bis 2030 wird sich diese Zahl möglicherweise verdoppeln.“

Regierungen üben nicht nur zusätzlichen Druck auf die Höhe der Ausgaben aus, mit zunehmender Komplexität des Gesundheitswesens werden auch strengere Verordnungen erlassen. „Produktsicherheit ist oberstes Gebot. Man denke nur an den Kampf gegen gefälschte pharmazeutische Produkte. Um die Rückverfolgbarkeit und Verifizierung zu erhöhen, integrieren einige Hersteller bereits eine Seriennummer in den Barcode, damit am Ende der Lieferkette die Echtheit garantiert werden kann. Die EU hat hierfür schon eine Richtlinie erarbeitet, die zusätzlich Druck auszuüben soll. Obwohl unser Beitrag auf diesem Gebiet begrenzt ist, können wir Vertriebszentren für die Serialisierung oder auch die Informationstechnologie zur Verfügung stellen, um Produkte effektiv verfolgen zu können.“

Aus dem Bericht „Pain in the Chain“ geht hervor, dass Unternehmen die wachsende Bedeutung der Sicherheitsfrage erkannt haben. In dem Bericht kann nachgelesen werden, dass die Erfolgsquote für die Produktsicherheit im Jahr 2015 im Vergleich zu 2014 um 20 % gestiegen ist. Auch die Erfolgsquote für die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften stieg um 13 %. Aber der gleiche Bericht zeigt auch, dass für viele Entscheidungsträger in der Healthcare-Logistik die Notfallplanung noch immer nicht von Bedeutung ist. Und das, obwohl diese Ketten in den letzten Jahren regelmäßig von unerwarteten Ereignissen betroffen waren. Laut UPS wird gutes Risikomanagement in der Zukunft immer wichtiger, um unvorhergesehene Vorfälle – und damit eine Gefährdung der Sicherheit in der Kette – zu reduzieren.

Fokus auf Innovation

Neben den erwähnten „Megatrends“ springen vor allem die innovativen Entwicklungen in der Branche ins Auge. Die letzten fünf Jahre waren durch Innovationen in rasantem Tempo gekennzeichnet. Die Zahl der klinischen Studien in dieser Zeit stieg im Jahresdurchschnitt um 18 %. Die Zahl der Medikamente, die letztendlich genehmigt werden, steigt ebenfalls, was auf eine zunehmende Angebotsqualität schließen lässt.

Vor allem der Anstieg von Biotech-Medikamenten scheint unaufhaltsam zu sein. Während in den ersten Jahren vor allem KMU und Start-ups solche Produkte entwickelten, treten jetzt stets mehr Pharma-Riesen über Partnerschaften, Übernahmen oder private F & E in den Vordergrund. Biotech-Medikamente bilden die Grundlage für die deutliche Zunahme komplexer und temperaturempfindlicher Produkte. UPS erwartet sogar, dass in einigen Jahren sieben der Top-Ten-Medikamente temperaturempfindlich sein werden.

Außerdem werden stets mehr Medikamente entwickelt, die auf die persönlichen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten sind. Auch dieser Trend hat erheblichen Einfluss auf die Lieferkette, weil für solche personalisierten Produkte eine Kette pro Patient eingerichtet werden muss. Im Handel steigt die Zahl der Medizinprodukte sowie deren Komplexität stetig, daher wird es auch immer schwieriger, diese Produktgruppe zu managen.

„Es ist eine große Herausforderung, die Lager- und Transportmöglichkeiten innerhalb der Lieferkette optimal auf die komplexen Produkte und Ketten abzustimmen“, so Jan Denecker. „Pain in the Chain“ zeigt beispielsweise, dass 63 % der Produktschäden und -vergeudung erfolgreich eingedämmt werden können, es gibt daher definitiv noch Raum für Verbesserungen.“

Komplexe Vertriebsnetze

Die wichtigsten Vertriebskanäle führen auch heutzutage noch in die Krankenhäuser, zu Apotheken und Arztpraxen. Dennoch nehmen direkte Lieferungen an den Patienten stetig zu.
Jan Denecker: „Besonders Großbritannien ist Vorläufer auf diesem Gebiet. Das stimuliert den National Health Service (NHS), mehr Patienten zu Hause statt im Krankenhaus zu versorgen. Etwa 250.000 Patienten bekommen jährlich häusliche Pflege. Der NHS will diese Zahl bis 2020 verdoppeln. Vor zwei Jahren sind wir mit der Übernahme der britischen Firma Polar Speed, die auf die Direktbelieferung von Patienten spezialisiert ist, auf diesen Zug aufgesprungen. Derzeit gibt es in den meisten europäischen Ländern noch strenge gesetzliche Barrieren, die festlegen, was in der häuslichen Pflege erlaubt ist und was nicht, aber mittelfristig wird sich hierzu sicher auch in anderen europäischen Ländern einiges ändern.“

Der Sicherheitsaspekt ist bei direkten Patientenlieferungen von großer Bedeutung. „Wenn ein Patient das falsche Produkt erhält, kann das schwerwiegende Folgen haben. Das Qualitätssicherungssystem in solchen Netzwerken muss einwandfrei funktionieren“, sagt Jan Denecker. „Außerdem ist die ärztliche Schweigepflicht ein wichtiges Thema. Anders als bei den regulären Online-Bestellungen kann man so ein Paket nicht einfach bei den Nachbarn abgeben. Auch das muss man als Logistikdienstleister berücksichtigen, wenn man ein derartiges Vertriebsmodell einrichten möchte. Darüber hinaus ist es durchaus möglich, dass in Zukunft zusätzliche Leistungen von einem Kurier erwartet werden, beispielsweise die Vorräte im Kühlschrank des Patienten zu überprüfen. Das stellt Logistikdienstleister vor zusätzliche Herausforderungen.“

In Krankenhäusern wird die so genannte In-Room-Lieferung immer beliebter. „In der Regel werden Pakete am Empfang eines Unternehmens abgegeben. Aber Produkte mit Ablaufdatum bzw. temperaturempfindliche Produkte sollten besser nicht stundenlang beim Pförtner liegenbleiben. Indem die Pakete direkt an den richtigen Ort oder an die richtige Person auf dem Krankenhausgelände geliefert werden, stellen wir sicher, dass die Ware so schnell wie möglich in den Kühlschrank oder in den Operationssaal gelangt. Auf diese Weise bekommen wir die Kontrolle über das schwächste Glied in der Logistikkette“, meint Jan Denecker.

Eine Frage der Segmentierung

Jan Denecker konstatiert, dass bei der Errichtung eines Lieferkettennetzes für den Gesundheitssektor eine durchdachte Segmentierung von entscheidender Bedeutung ist. So muss zwischen High-Value- und Low-Value-Produkten unterschieden werden. Für die erste Gruppe ist ein europäisches Verteilungszentrum oft besser geeignet, für zweite Gruppe ist abzuwägen, ob es nicht vorteilhafter wäre, größere Mengen lokal zu lagern. Bei kritischen Produkten ist eine proaktive Überwachung zu erwägen, so dass bei unvorhergesehenen Umständen sofort über eine alternative Lieferweise entschieden werden kann. Außerdem gibt es für verschreibungsfreie und verschreibungspflichtige Produkte unterschiedliche Vorgehensweisen innerhalb der Lieferkette.

Darüber hinaus wird laut UPS die Nachfrage nach „Postponement“ (etwa: Aufschiebung) in der Healthcare-Logistik noch steigen. Dieser Trend steht im Einklang mit dem Streben nach mehr Effizienz. Denken Sie nur an die Lagerung der so genannten „Plain Vanilla“-Produkte – verpackter Standardprodukte in einem Vertriebszentrum, auf denen erst in letzter Minute länderspezifische Etiketten oder Barcodes auf der Ware angebracht werden. In Nordamerika hat UPS bereits in die 3D-Drucktechnologie investiert. In UPS-Stores können Produkte ganz in der Nähe der Endverbrauchern bedruckt werden. Diese Entwicklungen werden früher oder später auch auf unseren Kontinent übergreifen.

Jan Denecker: „Wir werden vor allem auf dem Gebiet der Medizinprodukte immer öfter darum gebeten, Kunden in ihrer Bestandsführung zu unterstützen. Immerhin ist ein Großteil des Bestandes – bis zu 20 % – so genannter Kofferraumvorrat, der von Vertretern zu Hause oder im Lieferwagen aufbewahrt wird. Wir denken hier vor allem an teures Material, zum Beispiel für die kardiovaskuläre Chirurgie. Diese Bestände haben einen erheblichen Einfluss auf den Cashflow und tragen das Risiko, unerkannt zu veralten. Hier bieten wir die Möglichkeit zur Nutzung von so genannten Field Stocking Locations, relativ kleiner Lagerräume, an denen Waren an einem Ort konzentriert gelagert werden und von wo aus sie innerhalb weniger Stunden in Krankenhäuser geliefert werden können. Auf diese Weise ist eine gute Einsicht in die Bestände gewährleistet.“

UPS unterstreicht erneut die Bedeutung von Partnerschaften in den Bereichen Logistik und Verteilung, so dass für all diese Anforderungen passende Lösungen gefunden werden können. „Ich denke in erster Linie an enge Partnerschaften mit Kunden, in denen wir gemeinsam aktiv an Lösungen arbeiten, um die Supply-Chain effizienter zu machen. Wir denken an Fragen rund um die Serialisierung, an die „Good Distribution Practice“ der EU und an andere komplexe gesetzliche Regelungen. Darüber hinaus gehen wir Partnerschaften mit anderen Unternehmen ein, so dass wir Produkte immer unter den besten Bedingungen hantieren können. Beispielsweise arbeiten wir mit einem Spezialunternehmen zusammen, das uns hilft, kryogene Produkte zu versenden. Und natürlich werden wir auch Übernahmen erwägen, falls sich die Gelegenheit dazu ergibt. Schließlich kann man auf dem Gebiet der Lieferkettenlogistik nicht stark genug sein, um alle bevorstehenden Herausforderungen bewältigen zu können“, schließt Jan Denecker.

UPS United Parcel Service (Switzerland) AG

UPS (NYSE: UPS) ist ein weltweit führendes Logistikunternehmen, das umfassende Lösungen für den Paket- und Frachttransport, die Förderung des internationalen Handels und den Einsatz modernster Technologie anbietet, damit die Geschäftswelt effizienter arbeiten kann. UPS hat seinen Hauptsitz in Atlanta, USA, und bietet seine Dienstleistungen in über 220 Ländern und Gebieten an. Weitere Informationen zum Unternehmen gibt es unter ups.com, den Unternehmensblog finden Sie unter longitudes.ups.com. Um direkt auf UPS-Nachrichten zuzugreifen, rufen Sie bitte pressroom.ups.com/RSS auf oder folgen Sie @UPS_News auf Twitter.

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+41 44 200 41 00
Website: 
www.ups.com/ch

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