Der CIO als Vordenker

42 News traf den neuen CEO der HIMSS, Harold Wolf III, in London bei dem diesjährigen „Executive Leadership Summit“ und sprach mit ihm über die angesichts der digitalen Transformation geänderten Anforderungen an einen CIO.

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Cornelia
Wels-Maug

Wie hat sich die digitale Transformation auf die Rolle eines Krankenhaus CIOs ausgewirkt? Sehen Sie diesbezüglich Unterschiede zwischen den USA und Europa?

Die Aufgabe der IT war zunächst, die elementare Infrastruktur in einem Krankenhaus zu schaffen und deren Verfügbarkeit aufrecht zu halten. In der Zwischenzeit hat die Bandbreite der Möglichkeiten, mit denen IT Menschen und medizinische Prozesse unterstützen kann, enorm zugenommen. Angefangen bei der elektronischen Patientenakte, über die digitale Bildgebung bis hin zu computergestützten klinischen Systemen zur Entscheidungsunterstützung.

Die Rolle eines CIOs hat sich weltweit schrittweise verändert. Ein CIO agiert nicht mehr in der binären Welt von Verfügbarkeit und Stillstandzeiten, sondern muss eine Verbindung zwischen Gesundheitsversorger und Patient bzw. Verbraucher herstellen.

Innerhalb eines Unternehmens haben insbesondere der CIO, die Verwaltung und das Finanzwesen einen sehr umfangreichen Überblick über die Organisation. Daher ist der CIO, der mit einer Fülle an Daten aufwarten kann, viel wichtiger für den CEO geworden und näher an ihn herangerückt. Die IT ist aus dem Hinterzimmer befreit worden, da sie durch die Generierung und das zur Verfügung stellen von Daten am richtigen Ort, zur richtigen Zeit einen enormen Mehrwert für ein Krankenhaus schafft. Die IT ermöglicht den Brückenschlag zu einer besseren Gesundheitsversorgung.

Dabei sehen wir, dass die Funktion des IT-Verantwortlichen in verschiedenen Ländern in unterschiedlichen Ausprägungen existiert. In Deutschland, beispielsweise, ist die Position eines Chief Medical Information Officers (CMIO) vergleichsweise unbekannt, in Großbritannien dagegen ist sie sehr verbreitet. Wie sich das in der Zukunft entwickeln wird, ist ungewiss. Es ist jedoch klar, dass ein CIO mittlerweile über ein viel größeres medizinisches Wissen als früher verfügt. Ein CIO ist ein Vordenker, seine Rolle ist anspruchsvoller geworden, er muss nicht nur die Technologie verstehen, sondern auch betriebswirtschaftliche und klinische Zusammenhänge.

Sehen Sie hinsichtlich der sich ändernden Rolle eines CIOs Unterschiede zwischen den USA und Europa?

Dies ist keine Frage zwischen den USA und Europa. Es gibt wesentlich mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede zwischen CIOs auf beiden Seiten des Atlantiks. Sie sehen sich gemeinsam vor den gleichen Aufgaben. Es geht vielmehr um den Aspekt des Austauschs untereinander, wie können wir voneinander lernen?

Die Unterschiede in ihren Rollen werden durch die unterschiedlichen Reifegrade der IT-Infrastrukturen in den jeweiligen Krankenhäusern erzeugt, nicht aber durch Geografie oder die Differenzen in den Gesundheitssystemen.

Wie unterstützt die HIMSS die digitale Transformation?

Die HIMSS ist eine Organisation, die sich dem Austausch von Erfahrungen und Einsichten hinsichtlich des Managements von Informationen verschrieben hat. Es geht uns darum, durch gemeinsame Treffen, das kontinuierlich an Fahrt gewinnende Tempo der Innovation anzuführen.

Als Organisation arbeiten wir an der Schnittstelle zwischen dem „Medical Model“, das auf dem Zusammenspiel von insbesondere Krankenhäusern, Ärzten und Pflegern beruht, und dem „Health Model“, das die Erwartungen und das Verhalten von Verbrauchern widerspiegelt. Wir bringen diese beiden Modelle zusammen, um dadurch neue Möglichkeiten und eine verbesserte Konnektivität im Gesundheitsökosystem zu ermöglichen. Dies macht sowohl von einem ökonomischen Standpunkt aus als auch von der Perspektive der Verbraucher beziehungsweise der Patienten, Sinn. Wir erreichen das, indem wir an den folgenden Parametern arbeiten:

  • Interoperabilität.
  • Integration der Verbraucher, indem wir sicherstellen, dass elektronische Geräte Interoperabilitätsstandards folgen, sodass gesundheitsbezogene Daten der Verbraucher ohne Weiteres mit ihren medizinischen Daten integriert werden können.
  • Der Akquise von Health 2.0, dem Inbegriff der digitalen Transformation. Dies ermöglicht, neue Kapazitäten in der Gesundheitsversorgung zu schaffen.

Dabei verfolgt die HIMSS bei der Umsetzung dieser Parameter drei zentrale Strategien, die auch für den europäischen Markt gelten:

  1. Starke Ausweitung der Beziehungen zu Versorgern.
  2. Starke Ausweitung der Beziehungen zu Regierungskreisen, um einen größeren Einfluss auf die Implementierung von IT im Gesundheitssektor sowie die Rückerstattungspraxis für Gesundheitsleistungen nehmen zu können.
  3. Die HIMSS wird bei der Neugestaltung der internationalen HIMSS Community eine beträchtliche Investition leisten. Wir möchten unsere Erfahrungen, wie man am besten medizinische Informationen nutzen kann, teilen.

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

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