Stefanie Veraghtert, Direktorin & Gründerin von The Big C

Den silbernen Tsunami bewältigen — mit Hilfe der Patienten

Digitalisierung kann die Herausforderungen im Gesundheitswesen entschärfen – tut dies jedoch nicht automatisch. Bürger und Patienten müssen die Führung übernehmen: als Dateneigentümer und Mitgestalter.

„Die Gesundheitssysteme stehen weltweit alle vor genau den gleichen Problemen“, sagte Hal Wolf III, Präsident und CEO von HIMSS, in seiner Eröffnungsrede auf der HIMSS & Health 2.0 European Conference, die unlängst vom 11. bis 13. Juni 2019 in Helsinki, Finnland, stattfand. „Der silberne Tsunami wird eine zusätzliche Krankheitslast mit sich bringen. Und da wir einfach nicht genug Geld haben, um all die Krankenhäuser zu bauen, die wir wollen, und um alle Mitarbeiter im Gesundheitswesen zu bezahlen, die wir brauchen, müssen wir die Art und Weise, wie wir Versorgung anbieten, neu erfinden.“ Die WHO hat laut Wolf bereits heute einen weltweiten Mangel von 7 Millionen Beschäftigten im Gesundheitswesen berechnet. In zwölf Jahren wird sich diese Zahl mindestens verdoppelt haben.

WIE MAN PATIENTENZENTRIERTE PFLEGE ZUR REALITÄT MACHT

Die große Frage der kommenden Jahre ist daher, wie die benötigte Pflege zu den Menschen kommt, anstatt sie in Pflegeeinrichtungen zu schicken. Hier hat die Digitalisierung viel zu bieten. Eine andere Versorgungsgeographie kann jedoch nur ein Teil der Antwort auf den silbernen Tsunami sein. Die Gesellschaften, so Wolf, werden auch ihre Anstrengungen zur Umsetzung der Prävention verstärken müssen, wobei nicht nur traditionelle Risikofaktoren, sondern auch umfassendere physische und nicht zuletzt soziale Determinanten der Gesundheit berücksichtigt werden müssen.

Ein derart umfassendes Pflege- und Präventionsökosystem kann nur funktionieren, wenn die relevanten Daten verschiedener Bereiche für die Forschung und die Gesundheitsplanung zugänglich gemacht werden. Aus diesem Grund hat Finnland kürzlich ein neues Gesetz zur Weiterverwendung von Gesundheits- und Sozialdaten erlassen, sagte Päivi Sillanaukee, Staatssekretärin des finnischen Ministeriums für Soziales und Gesundheit. Ein Teil davon ist die Schaffung einer nationalen Datengenehmigungsbehörde namens Findata, die ihre Dienste ab Anfang 2020 anbieten wird.

Im Gespräch mit Hal Wolf sagte Sillanaukee, der Besitz von Patientendaten sei ein entscheidender Faktor, um übergreifende, interoperable Big-Data-Plattformen wie Findata zum Erfolg zu führen. Gegenwärtig basiert das finnische Recht auf Einwilligungen, es gibt jedoch auch bestimmte Opt-out-Szenarien. Für die Zukunft erwartet Sillanaukee eine Steigerung der auf „MyData“ basierenden Datenverwaltungs- und Einwilligungskonzepte. Sie ermutigte andere nordische Länder nachdrücklich, sich anzuschließen und die EU, auch in Richtung einer auf MyData basierenden Gesetzgebung zu denken.

BETEILIGEN SIE DEN PATIENTEN BEI JEDEM SCHRITT!

Dass den Patienten ihre Daten gehören wird ein entscheidender Faktor für die Analyse gesundheitsbezogener Daten aus verschiedenen Quellen und die Anwendung von KI-Algorithmen zur Förderung von Prävention, Diagnose und Behandlung sein. Um das Gesundheitswesen jedoch zukunftssicher zu machen und die Digitalisierung des Gesundheitswesens zum Erfolg zu führen, müssen Patienten auch in den Entwicklungsprozess von Tools, Anwendungen und Pflegekonzepten einbezogen werden: „Patienten wollen nicht immer das Problem sein, sie wollen auch die Lösung sein. Geben Sie uns nicht nur eine Stimme, sondern binden Sie uns ein“, sagte Stefanie Veraghtert, Direktorin und Gründerin von The Big C, einem sozialen Unternehmen, bei dem es um Gesundheitsbewusstsein und Mitwirkungsmöglichkeit geht.

Veraghtert, die im Alter von 26 Jahren Gebärmutterhalskrebs im fortgeschrittenen Stadium überlebte, forderte die Digital-Health-Entwickler auf, radikal an die Benutzererfahrung zu denken, um ihre Tools und Lösungen den tatsächlichen Bedürfnissen von Bürgern und Patienten gleichermaßen anzupassen: „Patientenbeteiligung ist in der Industrie noch immer sehr schwach. Die Patienten sollten nicht nur einmal am Anfang, sondern fortlaufend wiederholt konsultiert werden. Wir brauchen Patienten als Mitgestalter während des gesamten Design-Thinking-Prozesses.“
 

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Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Philipp Grätzel von Grätz, erschienen auf Healthcare IT News.

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