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David hilf!

Es gibt zurzeit in Deutschland ein gewisses Missverhältnis zwischen der Zahl der im klinischen Alltag regelmäßig eingesetzten Smartphone- oder Tablet-Anwendungen einerseits und der Lautstärke, mit der über dieses Thema gesprochen wird, andererseits.

By
Philipp
Grätzel von Grätz

Wird da zu wenig ge-appt? Oder wird zu viel gequatscht?

Für Ersteres sprechen unter anderem Erhebungen wie das jetzt vorgestellte EU mHealth Ranking, bei dem Deutschland in einer auch statistisch innovativen Analyse den zweifelhaften Titel des am stärksten überbewerteten Landes in Europa verpasst bekam. Bei der „Market Readiness“ liegen wir demnach irgendwo mittig zwischen Portugal und Rumänien. Passt zumindest zur Geografie.

Der kasuistische Blick in die Krankenhäuser bestätigt das Ranking. In Deutschland muss schon eine Weile suchen, wer ein Krankenhaus finden möchte, das Apps für Ärzte und mehr noch für Patienten nicht nur entwickelt hat, sondern sie auch intensiv und mit klarer Zielsetzung nutzt. In anderen Ländern wird man da schneller fündig.

Der staatliche Gesundheitsdienst in Andalusien bietet Patienten eine ganze Reihe von Apps an, von der Terminbuchung bis zur Einsicht in klinische Akten. Im britischen NHS entsteht ein solches App-Portfolio gerade. Und in Israel bindet der Krankenhausträger Assuta in Tel Aviv mehrere hundert Belegärzte per App an das Terminmanagement und an die Patientenakte an. Das ist schon was.

Nun ist es nicht so, dass in Europa überall außerhalb Deutschlands die medizinische App-Economy brummen würde wie wild. Der Kontinent teilt sich eher in die App-Pfadfinder und die App-Phlegmatiker. Angesichts dieses doch durchwachsenen Gesamtbildes erstaunt es ein wenig, dass schon wieder tiefgreifende Bedenken gewälzt werden. Gerade dachten wir noch alle, wir hätten die CE-Zertifizierung zumindest bei IT-Lösungen für die klinische Dokumentation elegant umschifft, da meldet sich die EU mit Gedankenspielen zu Wort, wonach Apps, die Daten in Primärsysteme füttern, vielleicht aus Sicherheitsgründen doch auch irgendein Zertifikat benötigen könnten, müssten, sollten.

Derartige Apps gibt es in Europa eigentlich noch gar nicht. Was da zur Diskussion gestellt wird, ist präemptive Kriegsführung. Es ist diese Regulationitis, die die Briten an den Rand des Brexits gebracht hat. Spätestens 2017 werden sie wohl darüber abstimmen. Bis dahin will David Cameron sein EU-Reformprogramm durchsetzen, das den Bürokraten in Brüssel gehörig die Flügel stutzen soll. Die Regulierung von Apps für die medizinische Dokumentation kann er gleich mit auf seine Liste setzen.

Philipp Grätzel von Grätz

Philipp Grätzel von Grätz ist Chefredakteur der englischsprachigen Insights aus dem Hause HIMSS Europe. Der schreibende Mediziner ist spezialisiert auf Gesundheitspolitik, besonders in den Themen E-Health und Informationstechnologien für das Gesundheitswesen zu Hause und Autor des Buches „Vernetze Gesundheit“.

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