Besser zusammenarbeiten

Ein intersektoraler Versuch im Rahmen des MACSS-Projekts eine patientenzentrierte Smart-Health-Service Plattform aufzubauen, um vermittels Informationenaustausch zwischen Behandler und Patient sowie Ärzten untereinander, Chroniker besser zu versorgen.

By
Cornelia
Wels-Maug

Eine vernetzte medizinische Versorgung hat das Potenzial, bessere Behandlungsergebnisse zu erzielen sowie ressourceneffizienter zu agieren. Zumindest ist das die Erwartung, mit der das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Entwicklung einer sogenannten Medical Allround-Care Service Solution (MACSS), einer Plattform für vernetzte Servicedienstleistungen, fördert. Dabei ist MACSS eines von insgesamt 16 Projekten, welches im Rahmen des Technologieprogramms „Smart Service Welt – Internetbasierte Dienste für die Wirtschaft“ von der Bundesregierung im Rahmen der „Digitalen Agenda“ und der „Hightech-Strategie“ unterstützt wird. Das mit rund 2,5 Millionen Euro geförderte Projekt wird über einen dreijährigen Zeitraum laufen.

Vernetzte und sichere Prototypen

MACSS ist am 1. Januar 2016 mit dem Ziel an den Start gegangen, Prototypen für neuartige patientenzentrierte Anwendungen zu entwickeln, über die eine sichere Kommunikation und Austausch krankheitsrelevanter Informationen zwischen Patient und Arzt sowie behandelnder Ärzte untereinander abgewickelt werden kann. Das Projekt wird an der Charité, die auch Konsortialführer ist, in Kooperation mit Experten der Beuth Hochschule für Technik Berlin, des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz GmbH sowie Softwarepartnern ausgeführt.

Die zu entwickelnden „neuartigen patientenzentrierten Anwendungen“ bedienen sich dabei durchaus schon bestehender Lösungen: MACSS verbindet Konzepte der elektronischen Patientenakte, Ansätze aus E-Health und Telemedizin. Eine App, die Vitaldaten wie Blutdruck oder Gewicht eines Patienten erfasst und über eine sichere Schnittstelle mit der Charité verbunden ist, soll den Ärzten auch zwischen den Visiten Einblick in den Gesundheitszustand ihrer Patienten ermöglichen. Hinzu kommen intelligente Geräte, die dem Patienten ermöglichen, seine Vitaldaten zu messen. Die Anbindung von Zusatzgeräten wie Gesundheitsarmbändern soll ebenfalls unterstützt werden.

Miteinander kommunizieren

MACSS erarbeitet Konzepte der beidseitigen Kommunikation. Behandler erhalten aktuelle Patientendaten und Patienten werden unter anderem darüber informiert, ob der Medikamentenplan angepasst werden muss. Eine direkte Kommunikation mit Ärzten und Pflegepersonal über Termine, Rezepte oder kleinere Beschwerden ist ebenfalls geplant. Zur Patienteneinbindung werden sowohl mobile Apps als auch webbasierte Nutzeroberflächen verwendet.

Entwicklung für nierentransplantierte Patienten

MACSS wird zur Behandlung nierentransplantierter Patienten an der Charité erprobt. „Die neuen elektronischen Anwendungen sollen vor allem chronisch kranken Menschen künftig den Alltag erleichtern und ihnen mehr Sicherheit bringen“, erläutert Projektleiter Prof. Dr. Klemens Budde von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie Charité Mitte. Das Versorgungszentrum, in diesem Fall die Charité, fungiert dabei als Datentreuhänder. Außerhalb der Firewall dieses Zentrums werden ausschließlich pseudonymisierte Daten genutzt, entsprechend einem genehmigten Sicherheits- und Autorisierungskonzept. „Die MACSS-Informationsdienste werden sowohl die Arzt-Patienten- als auch die Arzt-Arzt-Kommunikation nachhaltig verbessern, auf dem Weg hin zur personalisierten Echtzeit-Therapie“, stellt Budde in Aussicht.

Cornelia Wels-Maug

erforscht seit 21 Jahren den Einsatz von IT in diversen Industriesektoren und hat sich vor fast zehn Jahren auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert. Sie verfasst Artikel, Fallstudien und Weißbücher über den weltweiten Markt für IT im Gesundheitswesen undhält Vorträge und Webinare. Gleichzeitig ist sie auch als Analystin für den internationalen Gesundheitsmarkt bei einer englischen Firma tätig.

Mehr Power im Alpenraum

Nachgefragt: Nationale E-Health-Projekte im D-A-CH-Raum

Die Gesundheitsregion der Zukunft ist vernetzt

Nachhaltig, weil vernetzt?

Integrierte Versorgung rechnet sich bei der Knappschaft

Digital gedacht, analog gemacht!