Der Apothekendachverband will bis Oktober 2018 ein bundesweites e-Rezept vorlegen

Der Apothekerdachverband überrascht mit der Meldung, dass er an einem Telemedizinprojekt zur bundesweiten Nutzung eines e-Rezeptes arbeitet, das noch vor der Telematikinfrastruktur an den Start gehen soll.

Bei ihrer Mitgliederversammlung in Berlin kündigte letzte Woche die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V. (ABDA) an, sie wolle eine eigene technische Lösung für elektronische Verschreibungen bis zum nächsten Apothekertag im Oktober dieses Jahres vorstellen. Ziel sei es, dass alle Apotheken in Deutschland am Verkehr mit e-Rezepten teilnehmen können. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt kündigte bei der Mitgliederversammlung an: „Wir haben ein groß angelegtes Projekt zur elektronischen Arzneimittelverordnung gestartet. Das Thema wurde einerseits von der Politik auf die Tagesordnung gesetzt, andererseits ist durch den Beschluss des Ärztetages noch mehr Brisanz und Tempo in dieses Thema gekommen. Wir wollen uns dieser Aufgabe widmen und streben dort die inhaltliche Führerschaft an.“

Interessant ist, dass die ABDA ihr „eigenes“ e-Rezept parallel zur Telematikinfrastruktur plant. Mit dieser Ankündigung hat Schmidt einige Überraschung hervorgerufen, war doch die ABDA in letzter Zeit durch ihre Äußerungen bezüglich der Telemedizin in Kritik geraten. Sie hatte sich nach dem Beschluss des Ärztetages im vergangenen Mai, das Fernbehandlungsverbot teilweise aufzuheben, dahin gehend geäußert, dass diese Entscheidung keine Auswirkungen auf die Apotheker habe und dass die Ärzteschaft ohnehin nicht hinter dem Konzept eines e-Rezeptes stünde. Jedoch hat die Realität die Apotheker eingeholt: In Baden-Württemberg gibt es mittlerweile schon telemedizinische Versorgungsmodelle am Markt (wir berichteten), bei denen privat versicherte Patienten im Anschluss an eine Onlinebehandlung ein Rezept ausgestellt bekommen. Außerdem wird in immer mehr Regionen das Fernbehandlungsverbot aufgehoben beziehungsweise über eine Aufhebung nachgedacht. 

Näheres zum geplanten Vorhaben verriet der ABDA-Präsident während der Veranstaltung nicht, man stecke noch in den Anfängen, ließ er wissen. Es wurde jedoch verlautbart, dass die Standesvertretung der Apotheker mit potenziellen Projektpartnern spreche, die sich unter anderem aus den Domänen Apothekensoftware, Apothekenrechenzentren, Ärzten sowie Krankenkassen rekrutieren. Laut Schmidt soll die zu entwickelnde e-Rezept Lösung mit der elektronischen Gesundheitskarte und über Smartphones und Laptops funktionieren. „Entscheidend ist, dass die Apothekenwahlfreiheit der Patienten erhalten bleibt, die Übertragung der Daten sicher ist und Fälschungen ausgeschlossen sind.“

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cwm

Offene Marktlösung für das e-Rezept

Der Apothekerdachverband und seine Partner sprechen sich für offene Standards bei der Entwicklung ihrer Version des e-Rezeptes aus.

Eine gemeinsame Lösung

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Innovative Versorgungsideen

Münch-Preis 2018 für Optimierung des Krankenhausbetriebs und virtuelle Trainingstherapie