Die Schweiz will alle Bereiche der Gesundheitsversorgung digitalisieren

Ärzte formulieren ein Leitbild für alle Ärzte, um die Digitalisierung der ambulanten Gesundheitsversorgung in der Schweiz voranzubringen – zum Nutzen aller beteiligten Stakeholder.

In der Schweiz sind gute technische und politische Voraussetzungen für die Digitalisierung des Gesundheitswesens gegeben. Der Grad der Digitalisierung des stationären Sektors in der Schweiz ist dem des Ambulanten überlegen – im Bereich der stationären Versorgung ist man gerade im Begriff, den Aufbau eines elektronischen Patientendossiers (EPD) auf die Beine zu stellen und immer mehr digitale Gesundheitsangebote stehen zur Verfügung.

Nun soll die Digitalisierung auch im ambulanten Sektor vorangetrieben werden. Laut dem Beitrag „Digitalisierung in der ambulanten Gesundheitsversorgung“, der kürzlich in der Schweizerischen Ärztezeitung erschien, sind Patienten und Ärzte „grundsätzlich und mehrheitlich positiv“ gegenüber der Digitalisierung in der ambulanten Gesundheitsversorgung eingestellt, obwohl nur rund 50 Prozent der Praxisärzte in der Schweiz „eine elektronische Krankengeschichte führen“.

Damit dies Wirklichkeit wird, folgern die Autoren, müssten die föderalistisch bedingten und fragmentierten Rechtsgrundlagen harmonisiert, Standards für die Interoperabilität weiter erarbeitet und monetäre und nicht monetäre Anreize geschaffen werden. Das „Zielbild 2022“ soll diese Lücke schließen und wurde als Leitfaden für eine gelungene Umsetzung entworfen.

Die Idee des Zielbilds

Hinter dem Zielbild 2022 steht die Foederatio Medicorum Helveticorum (FMH), ein Berufsverband der schweizer Ärztinnen und Ärzte. Der Leitfaden selbst ist erfreulich bodenständig und betont das Machbare: „Die Möglichkeiten und Auswirkungen der Digitalisierung führten und führen auch in kleineren, pragmatischen Schritten im ambulanten Rahmen zu wichtigen positiven Veränderungen (z. B. in den Bereichen Diabetes- oder Impfmanagement)“. Alle Bemühungen sollten von der Idee geleitet sein, zu einer „Verbesserung der medizinischen Versorgung“ beizutragen als auch mögliche Effizienzgewinne und eine Erhöhung der Patientensicherheit zu erreichen.  

Dabei beinhaltet das Zielbild der Digitalisierung in der ambulanten Gesundheitsversorgung „sowohl die Erfolgsfaktoren als auch den wünschenswerten zukünftigen Zustand. Für die Entwicklung des Zielbildes waren Wertungen unumgänglich; Wertungen, die abhängig von der jeweiligen subjektiven Perspektive sind“, betont der Artikel. Aus diesem Grunde wurden zur Formulierung dieses Zielbildes die Einschätzungen verschiedener Akteure des Gesundheitswesens eingeholt. „So spiegelt das Zielbild 2022 mit seinen zehn Kernaussagen die Sichtweisen aller Akteure gemeinsam wider,“ versichern die Autoren.

Das Zielbild 2022

Damit die Digitalisierung verwirklicht werden kann, müssen die zehn im Leitbild formulierten Maßnahmen realisiert werden. Sie fallen wie folgt unter jeweils eine der fünf nachfolgenden Untergruppen:

Regulation & Politik

  • Der rechtliche Rahmen zu Angebot, Nutzung und Vergütung digitaler Gesundheitsangebote ist gegeben und kantonal harmonisiert.
  • Ärzte und Patienten orientieren sich an den über die Schweiz hinweg geltenden telemedizinischen Qualitätskriterien und Leitlinien.

Technologie

  • Datenschutz und -sicherheit sind hinreichend sichergestellt.
  • Es bestehen Anreize für Entwicklung, Herstellung und Vertrieb hochwertiger telemedizinischer Softwareangebote.

Finanzierung

  • Geeignete Vergütungsmodelle zur Bezahlung digitaler Gesundheitsleistungen existieren.

Angebote & Prozesse

  • Digitale Gesundheitsangebote optimieren die medizinische Versorgung und bieten einen Mehrwert für Patienten und Ärzte.
  • Digitale Angebote ergänzen ärztliche Leistungen für eine effektive, effiziente und sichere Gesundheitsversorgung, bei der digitale und menschliche Interaktionen im Gleichgewicht sind.
  • Digitale Angebote vereinfachen und verbessern Verwaltungs- und Managementprozesse, die Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren des Gesundheitswesens sowie Abläufe in der Art-Patienten-Beziehung.

Wissen & Werte

  • Bei der Integration digitaler Angebote sind gesellschaftliche Entwicklungen berücksichtigt und die Patienten sind in der Lage, diese Angebote auch korrekt zu nutzen.
  • Ärzte zeigen sich digitalen Gesundheitsangeboten gegenüber offen, nutzen die Vorteile des digitalen Wandels und können geeignete Angebote beurteilen, nutzen und empfehlen.

Regelung der Verantwortlichkeit

Bisher ist allerdings noch nicht geklärt, wer für die koordinierte, zeitnahe Formulierung der Maßnahmen zur Umsetzung dieser Ziele verantwortlich ist. Es scheint zwar keinen Zweifel daran zu geben, dass eine erfolgreiche Umsetzung nur dann gelingt, wenn alle relevanten Akteure über alle Phasen des Projektes „angemessen“ mitwirken, doch das ist noch nicht ausreichend.

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cwm

 

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