„Am Telefon und durch die Hose stellt man keine Diagnose“

Der Deutsche Ärztetag könnte das Fernbehandlungsverbot kippen. Eine aktuelle Umfrage des Hartmannbundes zeigt jedoch, dass es innerhalb der Ärzteschaft mehr Bedenken als Zustimmung gibt, dies zu tun.

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cwm

Das in § 7 Absatz 4 der (Muster-)Berufsordnung (MBO) geregelte Fernbehandlungsverbot gilt für die Ärzteschaft in Deutschland und wurde in dieser Form in sämtlichen Berufsordnungen der Länder als unmittelbar geltendes Berufsrecht übernommen. Es besagt, dass Ärzte eine individuelle Behandlung, insbesondere auch Beratung, nicht ausschließlich über Print- und Kommunikationsmedien, also per (Video-)Telefonie oder Internet, durchzuführen haben. Dies geht nur, sofern mit einem Patienten bereits ein Erstkontakt zustande gekommen ist. Bisher die einzigen Ausnahmen zum Verbot der Fernbehandlung sind Modellprojekte in Baden-Württemberg, über die die 42 News bereits berichtet hatte. Laut Aussage der Ärztekammer Baden-Württemberg prüfen begleitende wissenschaftliche Evaluationen kontinuierlich die Behandlungsqualität dieser Modellprojekte.

Fernbehandlungsverbot auf dem Prüfstand

Bei dem letzten Deutschen Ärztetag 2017 wurde mehrheitlich beschlossen, die geltende Regelung zum Fernbehandlungsverbot zu überprüfen. Insbesondere hinsichtlich der Frage, ob denn ein persönlicher Erstkontakt mit dem Patienten notwendig sei, schieden sich die Geister. Ein erster Entwurf der Bundesärztekammer in Bezug auf die Lockerung des Fernbehandlungsverbotes in der MBO wird den Delegierten des anstehenden 121. Deutschen Ärztetages Anfang Mai 2018 zur Abstimmung vorgelegt. Voraussichtlich wird dies wie folgt formuliert werden: „Eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über elektronische Kommunikationsmedien ist erlaubt, wenn dies im Einzelfall ärztlich vertretbar ist.“ Damit würde weiterhin die persönliche Betreuung die Norm bleiben, jedoch die ausschließliche Behandlung über Kommunikationsmedien ohne einen persönlichen Erstkontakt eine zusätzliche Option darstellen, über die die behandelnden Mediziner im Einzelfall entscheiden können.

Der Berufsverband der Ärzte Deutschlands e. V., der sogenannte Hartmannbund, hat im Vorfeld des 121. Deutschen Ärztetages eine Befragung unter 3,875 Medizinieren beziehungsweise Medizinstudenten durchgeführt, um die Stimmung bezüglich dieser Fragestellung zu eruieren: 62 Prozent sprachen sich gegen eine Aufhebung und 38 Prozent sprachen sich dafür aus. „Das Ergebnis zeigt – vor allem auch mit Blick auf zahlreiche Kommentierungen der Teilnehmer – dass es nicht nur zum Thema Digitalisierung im Allgemeinen, sondern offenbar ganz konkret auch zur Online-Behandlung noch ein hohes Maß an Diskussions- und Aufklärungsbedarf gibt“, kommentiert Dr. Klaus Reinhardt, Vorsitzende des Hartmannbundes. Er weist darauf hin, dass gerade diejenigen, die an die Chancen der Digitalisierung und an die Unvermeidlichkeit, sich dieser Entwicklung aktiv zu stellen, glauben, alle Anstrengungen unternehmen sollten, sich mit berechtigten Einwänden und Bedenken der Kolleginnen und Kollegen auseinanderzusetzen. Dies dürfe aber angesichts der Dynamik der Entwicklung allerdings nicht auf die lange Bank geschoben werden, sofern die Ärztinnen und Ärzte Mitgestalter und nicht Getriebene sein wollen.

cwm

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