Foto: NCT Heidelberg / Philip Benjamin

Künstliche Intelligenz toppt Hautärzte bei der Diagnose

Ein von Wissenschaftlern entwickelter Algorithmus erwies sich im Durchschnitt als akkurater in der Beurteilung von Bildern von Hautveränderungen als Hautärzte. Jedoch macht dies keinesfalls Ärzte obsolet, vorerst jedoch nicht, so die Forscher.

Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), der Universitäts-Hautklinik und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT), die alle in Heidelberg beheimatet sind, haben gemeinsam einen Algorithmus entwickelt, der bei verdächtigen Hautveränderungen gesichert beurteilen kann, ob es sich dabei lediglich um ein Muttermal oder um schwarzen Hautkrebs handelt.

Algorithmus ist akkurater

Sowohl 157 Dermatologen von 12 deutschen Universitätskliniken (Berlin, Bonn, Erlangen, Essen, Hamburg, Heidelberg, Kiel, Magdeburg, Mannheim, München, Regensburg und Würzburg) als auch dem eingangs erwähnten Algorithmus, der zuvor mit 12.378 relevanten Bildern trainiert wurde, wurden 100 Bilder von Hautauffälligkeiten zur Begutachtung vorgelegt. Bei einem Fünftel der Darstellungen handelte es sich um schwarzen Hautkrebs (Melanom) und bei den verbleibenden 80 Bildern um gutartige Muttermale. Nun sollten die Hautärzte über den nächsten Schritt entscheiden, entweder eine Biopsie anordnen oder dem Patienten von der Gewebeprobe abraten.

Das Ergebnis der Studie spricht eindeutig für das bessere Abschneiden des Algorithmus: Nur sieben der 157 Dermatologen schnitten besser als dieser ab, 14 erzielten gleich gute Ergebnisse und 136 Hautärzte legten schlechtere Ergebnisse vor. Im Durchschnitt war daher der Algorithmus präziser in der Beurteilung der Hauttumore als die Hautärzte. Irrelevant für das Resultat war ebenfalls, welche Position und Erfahrung ein Arzt innehatte. Im Durchschnitt waren Assistenzärzte über Fach- und Oberärzte bis zum Chefarzt dem Algorithmus unterlegen.

Jochen Sven Utikal, Leiter der Klinischen Kooperationseinheit des DKFZs kommentierte die Studienergebnisse wie folgt: „Der Einsatz von künstlicher Intelligenz wird in der Dermatologie zukünftig wichtiger werden, um präzise Diagnosen zu erstellen. Der Algorithmus könnte die klinische Beurteilung von Hauttumoren sinnvoll ergänzen."

Brauchen wir dennoch den Arzt?

Auch dazu äußern sich die Heidelberger Wissenschaftler. Ihrer Meinung nach sollte die Diagnose von Hautveränderungen nicht allein per Algorithmus gestellt werden. Ein Einsatz auf mobilen Endgeräten sei zwar in bestimmten Situationen denkbar, setze aber die Patienten gegenwärtig noch zu hohen Risiken aus. Da der Algorithmus bisher nur zwei Diagnosen – Muttermal oder schwarzen Hautkrebs – kenne, sei er nur bei dieser Fragestellung dem Kollegen Arzt überlegen. „Die klinische Realität ist allerdings eine völlig andere: Ein Facharzt muss bei der körperlichen Untersuchung zwischen mehr als hundert Differentialdiagnosen unterscheiden können, davon sind viele sehr selten, einige sind kaum allein am Bild zu erkennen, sondern brauchen weitere Informationen wie zum Beispiel Tasteindrücke", stellte Alexander Enk, Direktor der Universitäts-Hautklinik Heidelberg, klar.

Auch noch in zehn Jahren, so finden die Heidelberger Mediziner, könne künstliche Intelligenz die klinische Diagnose durch einen Dermatologen noch nicht vollständig ersetzen, wohl aber unterstützen: „Es ist ähnlich wie beim Autopiloten im Flugzeug: Bei gutem Flugwetter und häufigen Strecken ist das Assistenzsystem hilfreich. Bei schwierigen Landungen muss ein erfahrener Pilot hingegen Verantwortung übernehmen. Das kann ein Computer so allein nicht leisten", betonte Titus Brinker, Leiter der Studie und Wissenschaftler am DKFZ, NCT Heidelberg sowie Assistenzarzt an der Universitäts-Hautklinik Heidelberg.

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cwm

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