HIMSS Analytics aktualisiert die EMRAM Kriterien

Das Electronic Medical Record Adoption Model (EMRAM) von HIMSS Analytics wurde 2005 in den USA entwickelt und 2010 erstmals in Europa veröffentlicht. Seitdem wurden relativ wenige Änderungen am Modell vorgenommen.

Von
Jörg
Studzinski

Seither hat die technologische Entwicklung erhebliche Fortschritte gemacht und die moderne Gesundheitsversorgung ist stärker denn je davon abhängig. Als HIMSS müssen wir diesen Wandel und die wichtige und kritische Rolle reflektieren, die Informationstechnologie heute für die Patientensicherheit und die Bereitstellung einer effektiven und qualitativ hochwertigen Versorgung spielt. Dabei ist es ein Ziel von HIMSS Analytics, die technische Entwicklung nicht nur zu begleiten, sondern den Markt auch aktiv voranzutreiben. Daher ist es an der Zeit, die sich abzeichnenden Trends in verschiedenen Märkten auf der ganzen Welt auch in notwendige Änderungen am EMRAM zu übersetzen und ab dem 1. Januar 2018 anzuwenden.

Nahezu jedes Krankenhaus setzt heute digitales medizinisches Bildmanagement in seinen Arbeitsabläufen ein. Wir sehen auch, dass die klinische Dokumentation häufiger elektronisch und weniger auf Papier geschieht, und zwar nicht nur in einer oder zwei der fortschrittlichsten Krankenhausabteilungen, sondern oft im gesamten Krankenhaus. Mit dem Übergang von papierbasierten zu elektronischen Patientenakten werden Krankenhäuser anfälliger für Cyber-Angriffe, Speicherprobleme und Datenverlust. Krankenhäuser in vielen Ländern mussten ihre elektronischen Systeme abschalten, Notfallpläne aktivieren und sogar Patienten aufgrund von Ransomware und anderen Cyber-Angriffen, welche kritische Patientendaten verschlüsseln oder korrumpieren, in andere Krankenhäuser verlegen.

Daher hat HIMSS Analytics in Zusammenarbeit mit IT Leitern, Softwareherstellern und akademischen Institutionen Änderungen am EMRAM vorgenommen, die unsere Erwartungen an moderne Elektronischen Patientenakten (ePA) besser widerspiegeln. Diese Änderungen gelten nicht nur für die digital ausgereiften Krankenhäuser und / oder die höheren EMRAM-Stufen, sondern für alle EMRAM-Stufen von 1 bis 7 und für alle Krankenhäuser weltweit. Die aktualisierten Standards betreffen somit gleichermaßen alle Krankenhäuser in allen Ländern. Das macht das EMRAM einzigartig, aber vor allem global einsetzbar. Krankenhäuser auf der ganzen Welt sollten sich weiterhin um fortschrittlichere ePA-Kapazitäten mit einem höheren Maß an Patientensicherheit und damit verbundener Versorgungsqualität bemühen. Wir von HIMSS Analytics glauben, dass dies mit dem EMRAM als internationalem Reifegradmodell und Leitfaden hervorragend möglich ist.

Highlights der Änderungen

Die neuen Kriterien konzentrieren sich mehr auf Funktionen, die über die Technologie realisiert werden, als auf die Technologie selbst. Die Änderungen lassen sich in drei verschiedene Kategorien zusammenfassen:

  • ePA-Funktionalitäten müssen in mehr klinischen Abteilungen vorhanden sein als bisher.
  • Einige EMRAM-Anforderunen aus höheren Stufen, wurden in untere Stufen verschoben.
  • Einige Standards sind komplett neu.

Die bedeutendsten Änderungen betreffen die Bereiche IT-Sicherheit und der Abwehr von unberechtigten Zugriffen auf Patientendaten. Wie bereits erwähnt, treten Hacks und Ransomware vermehrt auf, sind weit verbreitet, vielfältig und können verheerende Auswirkungen haben. Wir wissen, dass die meisten Organisationen verstehen, wie wichtig Datenschutz- und Sicherheitskomponenten von Technologien sind. Aber wir hielten es für wichtig, diesen kritischen Bereich systematisch, herstellerneutral und unabhängig vom jeweiligen regionalen oder nationalen Gesundheitssystem zu bewerten. Zum Beispiel erwarten wir in Stufe 2, dass Krankenhäuser über angemessene IT-Sicherheitsrichtlinien verfügen und dass die Einhaltung der Richtlinien sowohl kontrolliert als auch dokumentiert wird. Dies betrifft beispielsweise die Kontrolle und Verwaltung des physischen Zugangs zu Rechenzentren, den Bereich der Datenvernichtung, Sicherheitsschulungen für Anwender oder die ordnungsgemäße Nutzung des IT-Systems. In Stufe 3 wird eine rollenbasierte Rechteverwaltung für die Nutzung der ePA erwartet. In Stufe 4 wird geprüft, ob Maßnahmen zur Erkennung von unbefugtem Eindringen in das System ergriffen werden, und in den Stufen 5 und 6 werden Kriterien für eine angemessenere und sicherere Nutzung mobiler Geräte festgelegt.

Angesichts der weit verbreiteten Verfügbarkeit von digitalem Bildmanagement in der Radiologie werden im aktualisierten EMRAM die Anforderungen an die filmlose Radiologie von Stufe 5 auf Stufe 1 verschoben. Darüber hinaus erwarten wir, dass Kardiologie-Bilder elektronisch verwaltet werden und Nicht-DICOM-Bilder über das Netzwerk zugänglich sind.

Ein weiteres kritisches Update betrifft die Verfügbarkeit und die tatsächlichen Nutzung von IT-Systemen und IT-gestützten Prozessen. Während es bislang z.B. ausreichend war, den Einsatz eines geschlossenen Medikationsgabeprozesses (Closed Loop Medication Administration) in einer einzelnen Abteilung zu demonstrieren, wird ab 2018 gefordert, dass 50 % oder mehr aller verabreichten Medikamente mittels eines Closed-Loop-Prozesses zu verabreichen sind.

In Stufe 4 werden die neuen Standards verlangen, dass 90% oder mehr aller Pflegekräfte im Krankenhaus ihre Untersuchungen, die Pflegeplanung, die Aufgabenerledigung und andere Aktivitäten elektronisch dokumentieren. Diese Anforderung wird auch auf andere klinische Anwender wie Physiotherapeuten, Logopäden, Diätassistenten und weiterer ausgeweitet.

Der beste und einfachste Weg, Ihr Krankenhaus mittels der neuen EMRAM-Anforderungen zu bewerten, ist die Teilnahme an unserer neuen Online-Evaluierung. Ab dem 1. Januar 2018 werden alle Krankenhäuser weltweit nach den neuen Standards bewertet und validiert. Wenn Sie es jedoch nicht abwarten können und einer der ersten Teilnehmer am neuen EMRAM sein wollen, freuen wir uns darauf, bereits im Dezember 2017 mit Ihnen zusammenzuarbeiten. Bitte zögern Sie nicht uns zu kontaktieren, wenn Sie daran interessiert sind.

Was bedeutet das für die Validierungen der Stufen 6 und 7?

Sollte Ihr Krankenhaus bereits vor dem 1.1.2018 für die Stufen 6 oder 7 validiert worden sein, können Sie erst einmal durchatmen. Ihr aktueller Status gilt für einen Zeitraum von drei Jahren ab dem Datum der letzten Validierung. So haben die meisten Krankenhäuser Zeit, sich mit den neuen Kriterien vertraut zu machen und sich auf einen Besuch vor Ort vorzubereiten. Der Validierungsprozess selbst wird sich nur geringfügig ändern, wobei Häuser der EMRAM Stufe 6 mehr betroffen sein werden, als Einrichtungen der Stufe 7. Aufgrund der Ausweitung einiger Anforderungen auf zusätzliche Abteilungen und auf zusätzliche Prozesse, erfordert eine Stufe 6 Validierung die Besichtigung zusätzlicher Abteilungen als bislang erforderlich. Die EMRAM Validierung für die Stufe 7 wird voraussichtlich auf 2 Tage ausgedehnt,  um sicherzustellen, dass wir alle Aspekte im erforderlichen Detail betrachten können.

Wir freuen uns auf eine enge Zusammenarbeit mit allen Krankenhäusern, die das EMRAM als Orientierung für die digitale Transformation sowie als Möglichkeit zur offiziellen Anerkennung als digitale Vorreiter nutzen möchten. Für alle, die bereits jetzt eine Einstufung nach den neuen Kriterien erhalten möchten, stehen wir gern für Rückfragen zur Verfügung.

Kontakt:
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